Leben als solches ist kreativ. Es bedarf eines ersten Schrittes, dieses in einen künstlerischen Ausdruck zu verwandeln.

Die Türen zur eigenen Kreativität aufzustoßen, gelang Franziska Kunath als sie bereits die Schule abgeschlossen hatte.

Veränderungen im eigenen Lebensrhythmus leiten bei schöpferischen Menschen fast immer eine Periode des Schaffens ein. So ist es für die Künstlerin seither immer geblieben. Obwohl sie also relativ spät mit der Malerei in Berührung kommt, wird diese zu ihrer Obsession. Als Franziska Kunath zu malen beginnt - sie tut dies allein und in Malzirkeln - öffnet sich mit dem Pinsel eine neue Welt für sie. Gleichwohl sie in diesen Arbeitsgruppen den Umgang mit Material und Technik beherrschen lernt, reicht ihr dies nicht aus.

Sie ist eine Suchende, die immer mehr von Materie der Kunst wissen - erfahren - möchte. Sie besucht die Abendschule der Kunsthochschule Dresden und wird Gasthörerin der Akademie.

Ihr Sujet war von Anbeginn an die Landschaft im weitesten Sinne des Wortes und sie ist es heute noch.

Und so, wie sich diese in der Abfolge der Jahres-Rhythmen wandelt, Samen in die Erde fallen und über Jahre Bäume werden, sind auch die Bilder der Malerin einem ständigen Prozess unterworfen.

Es kann Monate oder Jahre dauern, bis ein Werk der Kritik seiner Schöpferin standhält. Immer wieder in Frage gestellt und übermalt, wachsen sehr kraftvolle Landschaften aus Bildern. Seien es Impressionen aus ihrer sächsischen Heimat, die Berge und Fjorde Norwegens oder auch Sternenlandschaften: es ist eine eigene Welt, die sich vor dem Auge des Betrachters auftut.

Die Auflösung des Abbildes von Natur, um andere Daseinsebenen sichtbar zu machen, ist das Ansinnen der Künstlerin. So nehmen in einer ihrer Werkgruppen häufig die kühlen Landschaften Formen der sie überfliegenden Wolken an. Es scheinen beide zu verschmelzen und doch ziehen sie voneinander weg.

Als ob sie diesen Prozess des Fliehens aufhalten möchte (es ist auch ein Stück der eigenen Suche und Flucht) verbindet die Künstlerin die Partien der Bilder durch schwarze Bänder, die gleichsam aber auch abgrenzen. Wie Haut, die schützt.

Ihre Motive findet Franziska immer in der freien Natur, bearbeitet werden diese aber stets im Atelier. So sind sie losgelöst aus ihrer vertrauten Umgebung, scheinen keinen Bezug mehr zum Ausgangspunkt zu haben und beginnen - wie erwachsen gewordene Kinder - ein eigenes Leben zu führen. Es entstehen Verwandlungen im Sinne des Wortes: aus Fauna scheint Flora zu entstehen und umgekehrt. Ganze Geschichten werden fabuliert, ziehen den Betrachter in eine andere Ebene des Seins. Die Sprache der Malerin scheint dem Prozess eines ständigen Wandels unterworfen, jedoch kehren formale Lösungen im fortschreitenden Werden eines Bildes ständig wieder. Unverkennbar ist die Handschrift der Schöpferin zu sehen.

Farbe spielt eine ganz besondere Rolle in unserem Leben. Sie findet gleichsam einen Spiegel in Seelenlandschaften. Die intensive Farbigkeit, vorzüglich Grün, lässt in Franziskas Bildern alle Leidenschaften ahnen, die im Codex zwischen Menschen offenbar abhanden kamen. Es sind die Farben der Sehnsucht, der Freude, des Kummers und der Einsamkeit, des Lachens und des Weinens. Gleichsam Erinnerungsräume, die das Innerste nach außen treten lassen.

Rastlos ist die Künstlerin, und ständig auf der Suche nach dem Sein der Dinge, mit dem Wissen, dieses ist in stetem Wandel.

Es scheint, als zöge nur beim Malen Ruhe in sie ein. In ihren Bildern findet sie gleichsam eine eigene Geborgenheit.

In den neueren Werken verlässt sie scheinbar ihre expressive Landschaftsmalerei. Und doch sind es Landschaften im weiteren Sinne, die uns dort begegnen. Fasziniert von Fotos aus dem All und inspiriert von nächtlichen Himmeln, beginnt sie diese Welt für sich neu zu schaffen.

Es ist in ihren Bildern, als ob die Sterne und Milchstraßen zu tanzen beginnen. Beinahe surreal muten ihre abstrakten, von der Tiefe des Weltraums angeregten Bilder an. Scheinbar haben sie keinen Bezug zu ihren anderen Werken und doch greifen sie deren Symbolik und formale Sprache wieder auf. Und alle Bilder haben Fixpunkte, Zentren ihres Seins, Momente der Ruhe, seien es bestimmte Farben oder - wie letzthin - auch anderes Material. So wird die Feder eines Vogels beispielsweise - einsam in einer Landschaft liegend - zu einem Zeichen des Ziehens und doch Bleibens. Es ist, als sei die Landschaft (fast immer ohne Menschen!) nur für sie allein geschaffen worden.

Aber Franziska Kunath bleibt nicht allein der Malerei verhaftet. Das Experimentieren mit Farben, Formen und mit Materialien, lassen interessante - beinahe geometrische Siebdrucke entstehen. Diese scheinen nicht zur selben Handschrift zu gehören und tun es doch. Auf hauchdünnem Papier, in eher durchscheinender Farbgebung wirken sie wie Grüße aus fernen Kontinenten.

Es ist Freude an einem Spiel, wenn sie solches schafft.

Die Traumlandschaften von Franziska Kunath muss man erfahren. Es ist wie eine Entdeckungsreise! Es gelingt der Künstlerin ein Stück von jener Sehnsucht anzusprechen, die irgendwo ganz tief in jedem lebt.

Regine Hempel