Malerei und Grafik auf Schloss Klippenstein - Auskünfte von Franziska Kunath

Landschaftsbilder von Franziska Kunath sind bis 26. Mai auf Schloss Klippenstein in Radeberg zu sehen. Die SZ sprach mit der Malerin über die Weite des Nordens und die Vorteile der Provinz, über Gegenständliches und Abstraktes und äußere und innere Landschaften.

F: Woher rührt Ihre Vorliebe für Landschaftsmalerei?
In der Landschaft sehe ich mich als Jäger und Sammler, sammle Formen, Eindrücke, Erlebnisse. Und ich überprüfe dabei natürlich meine Sehgewohnheiten. Ich habe früher auch Porträts gemalt und wieder damit angefangen. Porträt und Landschaft liegen für mich nicht so weit auseinander. Gesichter spiegeln gelebtes Leben, lassen sich oft wie eine Landschaft lesen.

F: Sie haben viel in Norwegen gemalt. Was zieht Sie so daran an? Der Norden verkörpert für mich Ruhe und Konzentration. Nach Norwegen zieht es mich, weil man dort die Größe der Landschaft spürt. Man ist eher eins mit ihr.

F: Geht mit dieser Größe nicht ein Gefühl der Verlorenheit einher? Ich würde es nicht als Verlorenheit bezeichnen, sondern eher als Alleinsein. Und das gehört zum Menschen, genauso wie Momente der Hilflosigkeit. Aber ich spüre dort auch eine große Aufgehobenheit.

F: Sie wollen in Ihren Bildern äußere und innere Landschaften verschmelzen. In welchem Sinne? Die Auseinandersetzung mit der Landschaft ist der kreative Prozess: es geht mir darum, die äußeren Eindrücke aufzunehmen, die vielen symbolträchtigen Zeichen, und zugleich die inneren widerzuspiegeln.

F: Was sind inneren Landschaften? Träume, Gedanken, Gefühle.

F: Sie leben und arbeiten in Rothschönberg bei Meißen. Was zieht Sie an der Provinz an? Dass ich da die Ruhe der Natur noch spüren kann, das ist heilsam, das füllt mich aus. Ich empfinde aber eine Großstadt wie Berlin nicht als etwas Unnatürliches. Doch die Provinz ermöglicht es, seine Gedanken zu sammeln, was in einer Metropole viel schwieriger ist.

F: Warum übersetzen Sie das Gegenständliche der Natur in Ihren Bildern ins Abstrakte? Nur über die Abstraktion lässt sich für mich die gedankliche Auseinandersetzung mit der Natur ausdrücken. Ich kann mir nicht vorstellen, mich hinzusetzen und etwas abzumalen. Ich versuche ja nicht nur das Sichtbare darzustellen, sondern auch Erleben und dafür eine abstrakte Umsetzung zu finden. Was ich zeigen will, sind Traumlandschaften, Seelenlandschaften.

F: Ist das nicht ein Benutzen dessen, was Sie mögen? Leben ist immer Benutzen. Man isst, trinkt, sieht - es geht gar nicht anders. Es ist das Beste, was man machen kann, die Dinge, die da sind, zu benutzen.

F: In welchen Traditionslinien sehen Sie sich? Als ich zu malen anfing, haben mich Impressionisten und Expressionisten gleichermaßen gereizt, weil in ihrer Malerei schon eine Übersetzung der Natur stattgefunden hat. Das war mein Einstieg.

F: Viele Ihrer Bilder erschließen sich in ihrer räumlichen Tiefe erst auf den dritten Blick. Denken Sie diese Wirkung beim Malen mit? Ja. Ich stelle mich der Auseinandersetzung mit dem Raum in jedem Bild neu. Neben der Tiefenwirkung interessiert mich das Ornament. Ich möchte beides vereinen.

F: Ihre Arbeiten auf Leinwand deuten auf immer wieder übermalte Flächen hin. Ich male sehr lange an meinen Bildern. Das hat für mich mit dem Leben zu tun. Ich baue Strukturen auf und zerstöre sie und schaue, was übrig bleibt, welche Formen entstehen, welche Gedanken dadurch klar werden. Insofern habe ich nicht nur den Anreiz durch die Landschaft, die ich draußen sehe - Baum, Busch, Wiese, Himmel -, sondern durch meine Bilder selbst.

F: Was glauben Sie, ist der Grund dafür, dass viele Menschen Hemmschwellen gegenüber abstrakter Kunst haben? Oft gibt es durch Bildung und Irrtümer eine Barriere. Hier herrscht großer Aufklärungsbedarf. Es reicht aber nicht, Kunstgeschichte oder Maltechniken zu vermitteln. In den Kursen, die ich gebe, ist es mir vor allem wichtig, Kreativität zu wecken. Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, Barrieren abzutragen. Was meine Bilder betrifft, glaube ich, dass man sich in sie einfühlen, einträumen kann.

Interview: Udo Lemke / erschienen in der Sächsischen Zeitung