"Nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben, (...) fernab liegt mir alle Habsucht: aber die Blaue Blume sehn ich mich zu erblicken ..." (Novalis)

Die Lommatzscher Pflege, galt nicht nur jahrhundertelang als Kornkammer Sachsens, sie gehörte auch mit Scharfenberg und Batzdorf zu den Schauplätzen der Dresdner Frühromantik. In dieser traditionsreichen Landschaft liegt heute der Künstlerhof Kunath.

Die Kunst Franziskas Kunaths ist ebenso wie die der fünfzehn zur Ausstellung eingeladenen Künstlerinnen und Künstler in erster Linie Lebenskunst.

In dem Wort "Lebenskunst" ist zusammengefaßt, was sie alle vereint: die Fähigkeit, "fern aller Habsucht" durch die und mit der Kunst den Alltag zu bestehen und dieses Bestehenkönnen auf die Betrachter zu überragen.

Das ist mit den Jahren nicht einfacher geworden, wie das Leben auf dem Lande nicht einfacher geworden ist. Das permanente Erleben einer gnadenlosen Vernutzung des Landes, eines unablässigen Rennens um Rendite will ausgehalten sein.

Auf ihrem Hof, zwischen dessen Häusern die Bäume auch auf den Treppen wachsen dürfen, wagt Franziska Kunath mit ihrem Leben und ihrer Kunst einen Gegenentwurf.

Sie lädt ein zu plain airs und ermöglicht damit eine tiefergehende Betrachtung der Natur, um ihre alte, ursprüngliche Schönheit wiederzuentdecken. Es steckt ein trotziges Behauptenwollen in diesem Tun: Ohne großen Aufwand, ohne Kampagne oder Manifest und unberührt vom Mainstream das eigene Leben zu leben.

Dieses Leben um der Kunst willen hat nichts romantisch Verklärtes an sich. Im Gegenteil, oft führt es an den Rand der Existenz. Und doch haben gerade die Romantiker aus dieser unserer Landschaft gelebt und geschöpft. Sie wußten, "nur ein Künstler kann den Sinn eines Lebens erraten".

Einen größeren Gewinn kann ein Leben nicht haben.

Die Ausstellung, die auf der "anderen Seite" der Elbe entstand, wo ein ewiger Wind den Feinstaub aus der Ackerkrume löst und das Leben auf ganz eigene Weise zu Hause ist, liefert dafür einen erneuten schönen Beweis.

Thomas Gerlach